Konzept

 

Allgemeines

Es gibt einen wesentlichen Grund freie Kunst zu studieren. Die freie Kunst ist
die letzte Bastion in unserer Gesellschaft, wo der Einzelne den Freiraum besitzt,
seine Imaginationen und Ideen umzusetzen. Dieser Prozess trägt im
wesentlichen dazu bei, die Kunst von der Seite des Lebens zu betrachten, wo
jeder heranwachsenden Künstlergenerationen die Möglichkeit gegeben wird,
aus den sich ständig verändernden Lebensumständen einer von Medialisierung
und Globalisierung geprägten Welt , Fragen an die Kunst zu stellen, um damit
der Gefahr einer Verkrustung und Erstarrung entgegen zu wirken. Damit
werden wichtige Impulse an die Gesellschaft gegeben, die helfen, die
Erkenntnistheorie in den einzelnen Wissenschaften zu erweitern. Kurz, Kunst
ist keine Nebensache, sondern sie nimmt eine zentrale Stellung in unserer
Gesellschaft ein.


Profil

Die Hochschule für Bildende Künste Dresden hat eine große bildnerische
Tradition, die von der Gründung der königlichen sächsischen Akademie, bis
hin zu den Anfängen der klassischen Moderne reicht. Künstlerpersönlichkeiten
wie z.B. Oskar Kokoschka, Otto Dix schufen in diesem Haus ihre wichtigsten
Werke, engagierten sich in der Lehre und in Fragen, die Politik, Gesellschaft
und die Stellung des Künstlers in seiner Zeit betrafen. Das Menschenbild stand
im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Damit prägten sie die Akademie
und wurden Orientierungsmaßstab für nachfolgende Künstlergenerationen. Mit
dem Zweiten Weltkrieg und den düsteren Kapiteln der deutschen Geschichte,
wurde der freie Geist der Kunst suspendiert und an dessen Stelle, traten
Ideologien, Pragmatismen und Parteiprogramme, wo die Künstler dazu
verdammt waren , Erfüllungsgehilfen totalitärer Machtsystheme zu werden.
Wieder waren es einzelne Künstler, die in sich die Stimme der Verantwortung
hörten und mit ihrem Werk und Denken diesen kunstfeindlichen Programmen
entgegen wirkten. Künstler wie z.B. Wilhelm Rudolf, Hans Theo Richter, Eugen
Hoffman, Max Schwimmer, Gerhard Kettner und Herbert Kunze seien an dieser
Stelle genannt. Mit der Wende 1989 begann ein neues Kapitel für die
Hochschule für bildende Künste Dresden. Reste von Kunstprogrammen aus
West und Ost prallten aufeinander. Man kann auch sagen die „Avantgarde“ traf
auf die Tradition. Dieser Abschnitt trug zu einer wesentlichen Veränderung in
der Dresdener Kunsthochschule bei. Ich will damit sagen, wer sich für ein
Studium an der Dresdner Kunsthochschule entscheidet, entscheidet sich für
ein Studium, wo Fragestellungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven zur
Tagesordnung gehören. Eine Stunde Null, wo sämtliche Bezüge, Überlegungen
im Hinblick auf die Tradition nivelliert werden, führen unweigerlich in eine
totale Orientierungslosigkeit. Genauso verhält es sich mit den Apologeten, die
beständig die Tradition wiederkäuen und dabei vergessen, dass sie keine Kuh
sondern Künstler in ihrer Zeit sind. Es ist die Schnittstelle zwischen Tradition
und Moderne, wo sich Kunst entfalten kann. Die Lösungen für Gestaltung sind
alt und neu zugleich. Als die Menschen anfingen künstlerisch zu denken,
schufen sie Konstanten, die zeitlos sind. Dem Heutigen Betrachter, der täglich
einer Bilderflut von Massenkultur und der Popindustrie ausgesetzt ist,
erscheinen die ägyptischen Mumienporträts Al Fayum unglaublich modern.
Genauso verhält es sich mit den flächig betonten Wandbildern aus Pompeji. Die
zeitlosen Gesetzmäßigkeiten von Fläche und Raum, von Ornament und
Zeichen, vom Zusammenhang der Bildgrößen im Hinblick auf das Format sind
bildnerische Konstanten, die in jeder Hochkultur von den Künstlern
angewendet wurden. Es sei noch hinzugefügt, diese Konstanten sind lehrbar
und sollten an einer ernst zu nehmenden Kunstakademie vermittelt werden.
Diejenigen, die diese Lehrinhalte und Konstanten abschaffen wollen, weil sie,
diese als schrullig, abgestanden und veraltet empfinden , sind als pathologisch
einzustufen und sollten sich, wie einst Oskar Kokoschka genial ausrief, auf dem
Heller untereinander duellieren.


Lehrprogramm

Im Focus der Lehre steht die Malerei. Parallel dazu wird Bildforschung
angeboten, das heißt, die Studenten werden mit mit den Standards der
modernen Kunst konfrontiert und vertraut gemacht, damit sie durch
Synthesen und eigene Bildfindungen zu neuen Formulierungen kommen.
Für die Aufnahme in meine Klasse benötigen die Studierenden ein
Grundlagenstudium, welches in der Regel auf vier Semester ausgerichtet ist.
Im Hauptstudium werden in Einzel und Gruppenseminaren auf die Arbeiten
von den Studierenden eingegangen. Die Studienstruktur und Details können sie
aus dem Vorlesungsverzeichnis entnehmen.

Ralf Kerbach, Dresden, den 3.5.2008

 

Ralf Kerbach

Kurzbiographie
1956 in Dresden geboren
1977 bis 1979 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
bei Professor Gerhard Kettner
1982 Übersiedlung nach Berlin-West Arbeitsstipendium
des Senators für kulturelle Angelegenheiten Berlin-West
1986/87 Stipendium in Olevano
1988 längerer Aufenthalt in Paris
1988 bis 1990 Atelier in Val Quieres bei Montpellier
1991 Stipendium der Deutsch-Brasilianischen Sommerakademie in Joào Passoa/Paraiba, Brasilien
seit 1992 Professur für Malerei und Grafik an der HfBK Dresden